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Auf Einladung des Bildungsministeriums Shanghai nutzte der Schulleiter der GMS Wangen Herr Jürgen Lindner die einmalige Gelegenheit, seine Schule im...

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Seit zwei Jahren findet ein von unserer 2. Schulsprecherin Vivien Schirmer initiierter Geschichten-Wettbewerb statt. Alle Lernpartner*innen sind eingeladen daran teilzunehmen, müssen jedoch einige vorgegebenen Worte in ihre Geschichte einbauen. Eine Jury bewertet diese dann und zeichnet sie aus. 

Die Kürbisse von Eva Morath (Klasse 4)

Es war ein nebeliger Tag im Oktober. Nele,Lukas,Pia und Eva wachten früh auf. Sie zogen sich schnell an und gingen nach draußen. Lukas meinte:“ Kommt,wir pflücken Hagebutten!“ “Das ist eine gute Idee“ ruft Eva .Später gab es Hagebuttentee. Am Abend zündet Mama die Kerzen in den Kürbissen an die wir gestern ausgehöhlt hatten an. Vor dem schlafen gehen erzählten wir uns eine Geschichte. Das war ein toller Tag. Morgen wollen wir eine Blätterschlacht machen.

Letzten Herbst  von Angelina Milde (Klasse 6)

Letzten Herbst beschlossen meine beste Freundin Maria und ich ein paar Tage auf einer Berghütte zu verbringen. Als wir ankamen begrüßten uns die Gastgeber herzlich. Wir sprachen draußen über die Hausregeln. Ich ließ mein Blick über die atemberaubenden Berge und den wunderschönen großen Garen schweifen und entdeckte plötzlich Hagebuttensträucher. Ich fragte höfflich die Gastgeber ob ich nicht am Abend etwas davon nehmen dürfte um ein bisschen die Hütte herbstlich zu dekorieren. Die Gastgeberin lächelte und nickte, sie erwiderte „aber natürlich, wenn sie möchten können sie auch noch Kürbisse schnitzen und vor die Tür stellen.“ Ich bedankte mich herzlich. Ich freute mich schon darauf die Hütte zu dekorieren da ich es als Kind liebte unser kleines Haus zu dekorieren, danach sah es immer so gemütlich aus. Aber leider mussten wir es verkaufen weil wir nicht genug Geld für die Rechnungen hatten. Jetzt bin ich dreiundzwanzig und erwachsen und habe mir mein Leben aufgebaut, ich habe in Havard studiert was bedeutet das ich meine Familie nur in den Ferien gesehen habe. Ich machte meinen Doktortitel und arbeite jetzt im Ronald Reagan UCLA Medical Center in Los Angeles, Kalifornien. Ich erschrak als Maria meinen Namen schrie, ich bemerkte erst dann wie lange ich in Gedanken war entschuldigte mich bei meiner besten Freundin und den Gastgebern. Wir gingen rein und bekamen eine Führung. Nach der Führung gingen Maria und ich in unser Zimmer. Wir waren nicht mal zehn Sekunden im Zimmer, schon rannte Maria zum Bett und schmiss sich drauf. Sie holte zu viel Schwung was dazu führte das sie mit dem Arm an einen Nagel fest hängen blieb. Da ich Ärztin bin holte ich meinen Erste Hilfekasten beruhigte ich meine beste Freundin und verarztete ihren Arm. Zum Glück war es nur eine kleine nicht tiefe Schnittwunde. Danach zogen wir uns um und wanderten zur Bergspitze. Weil wir uns den Sonnenuntergang von der Bergspitze ansehen wollten. Im Herbst sah es so schön aus, überall lagen Herbstblätter rum und überall roch es herrlich danach. Als wir wieder zurück kamen nahm ich direkt ein paar Zweige Hagebutte aus dem Garten mit rein. Maria und ich suchten nach Kürbissen da der Gastgeber sagte es seien welche in der Hütte. Schließlich fanden wir die Speisekammer und hofften das dort die Kürbisse sein werden. Und tatsächlich es waren sieben da. Wir nahmen sechs Kürbisse zum schnitzen und aus dem letzten Kürbis kochten wir eine herrliche Kürbissuppe. Nach dem Essen machten wir einen Schnitzwettbewerb. Und zwar wer es schafft in einer Stunde und dreißig Minuten die drei schönsten Kürbisse zu schnitzen. Als wir fertig waren fragten wir unsere Freunde per SMS wer die schönsten Kürbisse geschnitzt hat, also schickten wir ihnen Fotos und warteten gespannt auf das Ergebnis. Kurz danach bekamen wir viele Nachrichten. ES war unentschieden. Wir lachten und gingen nach draußen um die Kürbisse nach draußen zu bringen. Maria nahm noch die Kerzen mit. Eine Kerze war sehr besonders sie konnte leicht die Farbe verändern. Wir entschlossen uns dazu die schönste Kerze in den schönen großen Kürbis zu stellen. Wir gingen wieder nach drinnen um mit der innen Deko weiter zu machen. Ich nahm die Hagebutten und noch andere herbstliche Dinge wie z.B. getrocknete Herbstblätter, Haselnüsse, Blätter, rote Kerzen und Minikürbisse. Maria und ich dekorierten die Hütte fertig. Ich blickte durchs Fenster um zu gucken ob die Herzen noch da waren. Ich bemerkte aber auch Nebel der da war, es sah so cool mit den leuchtenden Kürbissen aus. Ich sagte es meiner Freundin und sie sagte als sie es sah “Wow, komm lass uns Fotos machen.“ Natürlich war ich einverstanden und machte direkt Fotos. Wir machten auch viele Fotos zusammen. Am selben Abend machten wir noch kleine Geschenke für die Gastgeber als Dankeschön. Zwei Tage danach war Halloween, da wir wussten das keiner kommen würde um nach Süßigkeiten zu fragen zu fragen verbrachten wir einen schönen Tag nur zu zweit. Am Abend guckten wir einen Horrorfilm und erzählten uns Horrorgeschichten. Wir erschraken diese Nacht jedes Mal wenn die Hütte ein komisches Geräusch von sich gab. Am nächsten Tag war Abreise also gaben wir unsere Geschenke den Gastgebern, was sie sehr freute. Wir verabschiedeten uns und wanderten los. Immer wenn ich daran denke, sage ich zu mir selbst das war der schönste Herbst in meinem Leben.

Mein zweiter Name  von Luzia Mahler (Klasse 9)

Frustriert lasse ich mich auf die untere Etage des klapprigen Hochbettes fallen. Nur noch ein Jahr und knappe drei Monate, dann bin ich Volljährig und kann aus diesem Höllenloch von Kinderheim raus. Ist ja schön und gut, diese Feste und Bastelorgien, aber eine Familie nach der nächsten zu verlieren macht das Leben nicht unbedingt lebenswert. Am liebsten würde ich das alles hinter mir lassen, weg vom Heim, weg von Dokeda, weg von meiner Vergangenheit und dem ganzen Schmerz. Aber noch bin ich nicht achtzehn. 

Erster Oktober, großes Erntedankfest und ich mittendrin. Ich stecke in einem trägerlosen grünen Kleid, meine Haare sind ordentlich zu einem französischen Zopf geflochten und mit Blumen verziert. Maria, eine der Schwestern, welche auf uns aufpassen, meinte, dass die Farbe perfekt zu meinen Augen passen würde. Auch wenn ich diese Ansicht nicht teile, es ist immer noch besser als gelb. Diese Farbe lässt mich schrecklich aussehen, was mir sogar von einem Schneider bestätigt wurde. Das war die zweite von insgesamt vier Pflegefamilien, damals hatte ich noch Hoffnung, damals wusste ich noch nicht, dass ich für den Tod von drei der Familie wohl mitbekommen haben muss. Das Mädchen mit dem Todesfluch ist quasi mein zweiter Name für alle, die über meine Vergangenheit Bescheid wissen und über das, was mit meinen Adoptivfamilien jeweils passiert ist.

Alle Waisen des Heimes stehen jetzt draußen vor der Kirche in einer Schlange, in den Händen Kürbisse, Äpfel, Birnen oder Nüsse, bereit dem Volk präsentiert zu werden. Die Ernte, wie auch wir Kinder. Die Hauptsache ist, vor dem König und seiner Familie glücklich zu wirken, was selbst mir an so einem sonnigen Tag leichtfällt.

Nachdem wir unsere Ernte vor dem Altar abgelegt haben, nehmen auch wir unsere Plätze ein und trällern Lieder, sprechen Gebete und danken den Göttern, dem König, den Bauern, und allem, was irgendwie mit dem Thema in Verbindung gesetzt werden kann.

Während der Zeremonie lasse ich meinen Blick immer wieder durch die Menge gleiten. Alle tragen bunte Gewänder, je mehr Budget, desto mehr Farben. Die Prinzessin trägt zum Beispiel ein wunderschönes weißes Kleid, welches mit unzähligen aufgestickten Blüten verziert ist, am Saum noch ganz dicht und nach obenhin immer weniger.

Nach der Danksagung gehen wir ins Freie, um auf dem riesigen Festplatz zu feiern. Die Wiese ist übersät mit Pavillons, diversen Tischen, Bänken und Stühlen und mehreren Ausgabeständen für Essen und Trinken. Solche Feste sind toll. Gerade zur Erntezeit haben wir alles im Überfluss und das gibt dem Leben hier eine Unbeschwertheit. Wenn dann auch noch gefeiert wird, kann man sich zwischen alle Leute stellen, ohne dass zwischen Arm und Reich unterschieden wird.

Ich suche einen Tisch mit Leuten, die ich kenne und lande bei meiner Zimmermitbewohnerin Emilia. „Hallo Wölkchen, alles okay?“, fragte sie, wobei sie den Spitznamen nicht gehässig betont, wie manch anderer. Sie ist die einzige, die mich so nennen darf, denn neben ihr wirke ich, wie ein Geist. Ihre dunkle Haut- und Haarfarbe sind ein starker Kontrast zu meiner hellen Haut und den blonden Haaren.

„Hey! Ja klar, warum?“, frage ich zurück. „Naja, du wirst beobachtet“, flüstert Emilia mir zu und deutet mit ihrem Kinn rechts hinter mich. Ich hingegen stelle mich weniger unauffällig an, indem ich mich einfach umdrehe und einem Typen in die blauen Augen starre, der zu uns schaut. Als er den Blickkontakt hält, beschließe ich ihn zur Rede zu stellen.

„Wo willst du hin“, zischt Emilia, woraufhin ich ihr mein Vorhaben offenbare: „Ich werde in fragen, was er von mir will. Was soll ich sonst tun?“ „Keine Ahnung, aber ich traue dir so einiges zu“, da sie selbst lachen muss, gebe ich mir nicht einmal Mühe mein Grinsen zu verbergen. Irgendwie fühle ich mich auf eine verrückte Art und Weise geschmeichelt.

Meinen Beobachter scheint es nicht zu stören, dass ich mit ihm reden will, er kommt sogar fast auf mich zu, läuft dann aber an mir vorbei und gibt mir das Zeichen ihm zu folgen.

„Was willst du von mir?“

Keine Antwort

„Wer bist du?“

Wieder keine Antwort

„Wohin gehen wir?“

Immer noch keine Antwort.

Jetzt wird es mir zu blöde und ich bleibe abrupt stehen.

„Komm einfach mit“, murmelt er und wirft mir einen bösen Blick zu. „Und was, wenn nicht?“, fordere ich ihn trotzig heraus. Er hebt sein zu langem blauem Hemde an und die Klinge eines Dolchs kommt zum Vorschein. Ich schlucke schwer. Jetzt ist wenigstens die Frage geklärt, weshalb er sich in der Größe vergriffen hat, bei solchen Veranstaltungen dürfen nämlich nur Leibwachen der königlichen Familie Waffen tragen.

„Ich könnte um Hilfe schreien“ „Ja könntest du. Du könntest aber auch einfach mal dein nervendes Mundwerk halten und mitkommen. Solange du dich benimmst darf ich dir leider nichts tun“, er ist gefährlich und gereizt, es wäre also wirklich besser mich zu unterwerfen. Nur leider ist das nicht so mein Ding, die Sache mit der Unterwerfung.

„Kannst du mir wenigstens irgendwas verraten?“, bettele ich deshalb. „Na gut. Wenn ich dir diesen Dolch genau da in den Hals stoße, bist du innerhalb von Sekunden tot und nicht in der Lage auch nur einen Mucks zu machen.“ Als ich nichts darauf erwidere, grinst er zufrieden und geht weiter. Wären wir nicht mitten in einer fröhlichen Feier, dann würde ich mich jetzt gruseln. Okay ich tue es auch so.

Wir bleiben erst hinter dem Weinstand stehen, wo mir als erstes das wunderschöne weiße Blütenkleid auffällt. Erst als der gruselige Typ sich räuspert dreht sie sich um und blickt von ihrem Buch auf. Prinzessin Amina lächelt mich herzlich an und tritt auf mich zu. Mir steht die Verwirrung jetzt sicherlich ins Gesicht geschrieben.

„Hallo, freut mich dich kennen zu lernen…“ „Ruby“, wiederholte sie, „Ich hoffe Henry hat sich nicht allzu angsteinflößend benommen, er darf dir nichts tun.“ Und schon hat das Grauen einen Namen.

„Ich habe dich nicht grundlos herbringen lassen“, erklärt sie mir, als ich nichts erwidere, „Es ist so, das Muttermal dort auf deinem linken Schlüsselbein… Ich erkenne es.“ Ich verstehe nichts mehr. „Wie meinst du das, du erkennst es?“ frage ich verwundert. „Ich kenne jemanden, der hat das gleiche“, erklärt sie weiter. „Wer?“, drängle ich und beweise mal wieder, dass ich die Neugier in Person bin. „Das kann sie nicht sagen“, platzt Henry uns ins Gespräch. „Noch nicht“, korrigiert Amina ihn.

„Und um das zu erfahren, wurde ich von einem Verrückten ausspioniert, bedroht und hinter einen Weinstand eskortiert“, stelle ich sarkastisch fest. Die Prinzessin kichert kurz während Henry noch grimmiger drein schaut, bis sie plötzlich innehält.

„Er hat dir gedroht?“, fragt sie mit strengem Blick Richtung Henry. „Es war keine ernsthafte-“ „Ich habe Ruby gefragt, nicht dich“, kommandierte Amina. Ich grinse ihn frech an, das hast du jetzt davon! „Ja, mir wurde damit gedroht, dass ich einen Dolch durch den Hals bekomme“, berichte ich theatralisch, woraufhin Amina und ich nach einer kurzen Pause lauthals loslachen müssen. 

Als ich diesen Abend im Bett liege, muss ich immer wieder daran denken, dass Amina meinte, sie kenne jemanden mit demselben Muttermal. Wer es wohl ist? Gibt es einen Verwandten, von dem ich bisher nicht wusste? Könnte ich vielleicht zu ihm oder ihr, bis ich volljährig bin? Oder will er oder sie nichts von mir wissen?

Mit diesen unbeantworteten Fragen verbringe ich die nächsten zwei Wochen, bis ich Henry vor der Schule lauern sehe.

„Hallo Henry, gibt´s was Neues oder warum bist du hier?“, überfalle ich ihn mit meinen Fragen. „Tag. Sie will mit dir reden“, antwortet er kühl.

„Henry Wilson, bist du es wirklich?“, höre ich jemanden hinter mir lachen und Henrys Augen weiten sich. „Verdammt! Komm, wir gehen“, zischt er und will loslaufen, aber da hat der andere Kerl es auch schon bis zu uns geschafft. „Was ist denn, Wilson?“, stachelt er, während Henry feige den Kopf einzieht und es über sich ergehen lässt. So etwas hätte ich nun echt nicht von ihm erwartet, immerhin ist er die Leibwache der Prinzessin und das nach nur vier Jahren, so wurde es mir zumindest bei unserer letzten Begegnung erzählt.

„Warum bist du hier? Schaft deine Mutter es nicht mal mehr ihre Kinder selbst abzuholen oder bist du tatsächlich wegen deiner kleinen Freundin hier?“ Obwohl ich es an seiner Körpersprache sehen kann, was für einen Hass Henry gerade empfindet, setzt er sich immer noch nicht zur Wehr. Derselbe Junge, der mir mit dem Tod gedroht hat, nur weil ich ihn genervt habe, ist das zu fassen?!

„Süße, hör lieber auf meinen Rat und suche dir was Besseres“, schlägt er mir jetzt spöttisch vor. Aber ich bin nicht wie Henry, ich kann dem Drang zuzuhauen nicht wiederstehen. Gedacht, getan. Nachdem meine Faust so fest wie nur möglich in seinem Magen gelandet ist, sprinte ich mit Henry im Nacken davon. Zum Glück hat mein Opfer nicht damit gerechnet, sonst hätte ich wohl kaum eine Chance gehabt.

„Warum willst du so unbedingt sterben?“, werde ich gefragt, als wir wieder zu Atem kommen. „Warum willst du dich nicht verteidigen?“, frage ich zurück. „Manchmal muss man sich ergeben, um zu überleben.“ Ein kurzes Schweigen gibt diesen Worten eine noch tiefgründigere Wirkung.

„Ich dachte du seist ein gruseliger und auch etwas gefährlicher Leibwächter, aber dass du dich erst so behandeln lässt und dann mit einer Weisheit ankommst, damit hätte ich nicht gerechnet“, sprudelt es aus mir heraus. „Du findest mich gruselig?“, fragte er etwas belustig, woraufhin ich nur die Augen verdrehe. Nach einer kurzen Pause beginnt er dann aber zu erzählen: „Der Typ war mal in meiner Klasse, bis ich mit fünfzehn aus der Schule bin. Nach dem Tod meines Vaters konnte meine Mutter nicht mehr ausreichend für mich und meine Geschwister sorgen, darum habe ich am königlichen Hof nach Arbeit gesucht.“ „Und nur vier Jahre später bist du die Leibwache der Prinzessin“, ergänze ich beeindruckt. „Ich wollte so viel möglich verdienen, also habe ich so hart wie möglich gearbeitet. Vor einem halben Jahr hat man mir dann Amina anvertraut“, erklärt er mir seinen Aufstieg, „und wenn ich diesen Job behalten will, dann sollten wir langsam mal los.“

Henry führt mich in den Park, wo wir die Prinzessin in einem kleinen, mit Rosen umwachsenden Pavillon finden. Sie liest wieder in ihrem Buch, da es aber schon dämmert, braucht sie eine Kerze, um die Buchstaben entziffern zu können.

„Na endlich!“, ruft Amina genervt und schlägt ihr Buch laut zu. „Ich will gar nicht wissen was war“, hält sie Henry auf, er gerade seinen Mund aufgemacht hat, um unsere Verspätung zu erklären. „Du bist hier, weil ich mich etwas schlau gemacht habe, und mein Verdacht hat sich immer mehr bestätigt. Wir müssen deine leibliche Mutter finden“, sagt Amina nun an mich gerichtet. „Meine Eltern sind tot“, erwidere ich ernst. „Das glaube ich kaum, willst du wissen, von wem ich denke, dass er dein Vater ist?“, sie macht eine kurze Pause und ich nicke, „König Maximilian.“

Bitte, was?! Findet sie das witzig oder ist das wirklich ihr Ernst? „Ich habe mich umgehört, es ist realistisch, dass wir Halbschwestern sind“, fährt Amina fort, als könnte sie meine Gedanken lesen. Überraschenderweise wäre es sogar möglich, dass sie damit richtig liegt. Ich war immer die einzige in meiner Familie, die blonde Haare hatte und auch sonst sah ich niemandem ähnlich. „Mal angenommen, du liegst im recht, wie willst du das beweisen? Hast du eine Vermutung, wer meine Mutter sein könnte?“, frage ich zögernd. „Noch nicht, das ließe sich aber ändern, indem du mich dich jemandem vorstellen lässt“, schlägt Amina vor. „Na gut“, stimme ich neugierig zu, woraufhin Amina mich durch das Schloss führt, um ihren Informanten aufzusuchen. Henry bleibt mal wieder nichts anderes übrig, als seiner Herrin wortlos zu folgen.

Ich habe schon längst die Orientierung verloren, als wir unser Zeil erreichen. Die Prinzessin klopft an die hölzerne Tür an, an welcher ein eisernes Schild mit der Gravur Yorick O´Neill, Professor der Naturwissenschaften und Biologie angebracht ist. „Yorick ist einer der engsten Vertrauten meines Vaters, außerdem heißtes, er könne prüfen, ob man mit jemandem verwand ist oder so ähnlich“, erklärt sie mir. Als sich die Tür öffnet, schaut uns ein junges Gesicht an, zu jung, um schon Professor zu sein. „Guten Abend, Travis. Ich möchte nur kurz mit dem Professor sprechen“, erklärt Amina sich höflich, Travis nickt nur und macht uns den Weg frei. Wir stehen direkt in einem vollgestopften Labor, dessen viele regale von der Last der Bücher, diversen Gläsern uns sonstiger Ausrüstung schier zu brechen drohen.

„Amina“, ruft ein kleiner, alter Mann freudig auf. Ich habe keine Ahnung, hinter welchem regal hervorkam, dafür bin ich mir aber sicher, dass er Professor Yorick O´Neill ist. Nach einer kurzen Begrüßung wendet er sich mir zu, Henry scheint er einfach zu ignorieren. „Ist sie das?2, fragt er, nachdem er mich kurz gemustert hat, ohne uns über seinen Gedankensprung aufzuklären. „Wegen ihr habe ich dich letztens über meinen Vaterausgefragt“, bejaht Amina seine Frage etwas verwundert. „Die Ähnlichkeit ist verblüffend, ich dachte immer Maximilian würde übertreiben mit den Maßnahmen, mit denen er dieses Geheimnis vertuscht, aber wenn ich dich mir so anschaue, kann ich ihn und seine Sorgen verstehen. Wie heißt du denn, mein Kind?“, er faselt so schnell, so viel, dass die Frage fast untergeht. 2Ruby Morgan2, antworte ich, „Von welchen Maßnahmen reden Sie, Professor?“ „Nicht weiter von Belang. Nun wird er es nicht länger verleugnen können“, winkt Yorick ab. „Nicht weiter von Belang. Nun wird es nicht länger verleugnen können“, winkt Yorick ab. „Können Sie mir sagen, wer meine Mutter ist?“, frage ich weiter, immerhin ist das der Grund, weshalb wir hier sind. „Joline, ein hübsches Mädchen und sehr freundlich, wenn auch manchmal etwas direkt, aber im Umdekorieren unschlagbar“, der Professor beginnt zu lachen, bis er auch den gelben Nebel bemerkt.

„Travis! Nur gesunde Blätter!“, schimpft Yorick laut. „Woran arbeitet ihr gerade?“, fragt Amina neugierig und hat sofort wieder seine Aufmerksamkeit. „An einem Mittel gegen Pflanzenschädlinge, wie die Gärtner es sich seit langem wünschen. Hergestellt wird es aus den Extrakten von Pflanzen, die von Natur aus einen Schutz haben“, erklärt er uns daraufhin begeistert.

„Wo ist Joline jetzt?“, wechsle ich das Thema wieder, ohne jeglichen Übergang. „Nach Aminas Geburt, wurde sie in die Küche versetzt, als Magd. Davor war sie Zofe und Mädchen für alles, theoretisch sollte ihre Arbeit also nicht viel anders sein, aber die Arbeitsverhältnisse sind natürlich nicht mehr so harmonisch. Ich frage mich ob sie sich wohl noch treffen. Aber Amina hat einiges verändert, ich glaube also nicht…“, grübelt Yorick laut.

„Vielen Dank für die Auskunft, Yorick, aber ich befürchte, wenn Ruby nicht bald daheim ist, wird sie noch gescholten, nur weil wir zu lange in Erinnerungen geschwelgt haben“, redet Amina uns raus, nachdem wir nun genug wissen. „Falls ihr sicher gehen wollt, kann sie eine Blutprobe dalassen“, schaltet Travis sich ins Gespräch ein. „Ein guter Einfall, dann benötige ich nur noch Blut von Maximilian und Joline, um die Sache zu versichern“, schlägt der Professor vor, weshalb ich nicke und mir von seinem Assistenten etwas Blut entnehmen lasse. Anschließend übergibt Henry Amina einer Palastwache und läuft mit mir zurück zum Heim.

Am nächsten Morgen gehe ich direkt zum Schloss, da Samstag ist, habe ich heute keine Schule. Henry steht draußen vor dem Tor und nimmt mich mit rein, er führt mich durch etliche Gänge, bis wir zu einer großen bewachten Tür kommen. Henry nickt den zwei Wächtern zu und sie öffnen einen der Türflügel. Aminas Gemach ist riesig, aber wenn man bedenkt, dass dies nur der Salon ist, das beeindruckt. Vor einem Ofen stehen mehrere Sofas, auf einem von ihnen sitzt Amina und winkt uns zu sich.

„Schön dich zu sehen, Ruby“, begrüßt sie mich warmherzig. „Ich freue mich auch hier zu sein. Wirklich gigantisch, dass alles“, erwidere ich beeindruckt, aber Amina zuckt nur gleichgültig mit den Schultern. „Nehmt Platz. Wollte ihr Tee? Aus dodekadischen Hagebutten“, bietet sie uns jetzt an. Nachdem wir uns gesetzt haben und den Tee zuerst probiert und dann gelobt haben, besprechen wir unser vorgehen. Da ich mich im Schloss nicht im Geringsten zurechtfinde, bleibt Henry bei mir und wir suchen gemeinsam nach Joline. Amina besorgt sich währen dessen eine Blutprobe von ihrem Vater, natürlich auch in Begleitung einer Wache. Sie wird ihm eine kleine Abänderung der eigentlichen Wahrheiterzählen, nämlich dass Yorick ihr erlaubt hätte, ihr Blut mit dem ihres Vaters zu Vergleichen.

„Was passiert eigentlich, wenn wir bewiesen haben, dass wir Halbschwestern sind?“, will ich wissen. „Dann kannst du hoffentlich bei uns im Schloss leben und mir bei langweiligen Dingen, wie Schulunterricht oder bei Banketten beistehen“, lacht Amina. „Oder sie bringen dich um“, überlegt Henry laut, aber als er meinen geschockten Gesichtsausdruck sieht, beginnt er zu lachen. „Auf gar keinen Fall! Henry wird dein Leben genauso beschützen wie das meine“, wirft die Prinzessin da ein, und als sie die Grimasse ihres Leibwächters sieht, fügt sie hinzu, „Das ist ein Befehl.“

„Viel Glück“, wünscht Amina uns, als sie die Tür öffnet, damit wir loskönnen. „Dir auch“, antworte ich und umarme meine Halbschwester.

„Wo ist die Küche eigentlich?“, frage ich Henry schon nach wenigen Metern. „Im Erdgeschoss“, antwortet er wortkarg. „Logisch, immerhin muss da einiges an Essen hin geliefert werden“, versuche ich das Gespräch am Leben zu halten, doch Henry nickt nur schwach. „Du bist nicht gerade von der gesprächigen Sorte, oder?“ Jetzt muss er lachen. „In meiner Brache ist es meist besser zu schweigen“, antwortet er immer noch mit einem Lächeln im Gesicht. „Wirst du eigentlich zur Kenntnis genommen?“, meine Stimme bleibt ernst während ich das frage, ich für meinen Teil finde es nämlich erniedrigend. „Nicht wirklich, mal nicht von denen, die es täglich mit Palastwachen zu tun haben.“ In mich gekehrt laufe ich weiter und denke darüber nach, wie es ist, wenn man die ganze Zeit bei jemandem sein muss, ohne überhaupt beachtet zu werden. Bei Amina und Henry scheint das zu Glück anders zu sein, auch wenn er, selbst mit Beachtung, nicht allzu viel spricht. Ganz im Gegenteil zu Professor O`Neill. Jetzt muss ich grinsen. Als ich aufschaue ist mein ruhiger Begleiter aber nicht mehr an meiner Seite. Panisch schaue ich umher, wie soll ich mich hier bitte jemals zurechtfinden? Zu meinem Glück entdecke ich ihn schnell. Er lehnt lässig in einem Türrahmen und macht sich nicht einmal die Mühe, zu verbergen, wie er mich auslacht. Ich boxe ihn in die Schulter, als ich an ihm vorbei ins Freie trete.

Die Küche nimmt ein eigenes Gebäude ein. Henry geht vor mir durch den Tumult, auf der Suche nach jemandem mit höherem Rang, er uns sagen könnte, wo wir Joline finden. Nach mehreren erfolglosen Gesprächen werden wir wieder nach draußen geschickt, meine Mutter sei beim Hühner rupfen.

„Joline?“, ruft Henry unsanft den vier Frauen zu, die dem toten Geflügel die Federn rupfen. Er scheint nicht zu bedenken, wie es wirkt, wenn ein Wachsoldat in diesem Ton nach einer Magd ruft. Möglich wäre aber auch, dass er das ganz bewusst so macht. Die vier reagieren, wie ich vermutet hatte, geschockt, unterbrechen ihre Arbeit und schauen ängstlich zu Henry auf. Der zieht aber nun erwartungsvoll die Augenbrauen hoch. „Wo ist sie?“, fragt er schon wieder in diesem Ton, da keine der Frauen mir irgendwie ähnelt. Plötzlich steht eine der Frauen auf. „I-ich bin Joline“, stottert sie. „Nein, bist du nicht“, antwortet Henry bestimmend und wiederholt seine Frage, „Wo ist Joline?“

In diesem Moment sehe ich eine blonde Frau, die als sie ihn hört das Weite sucht. Ich renne ihr hinterher, Henry überholt mich im Sprint und hat sie innerhalb von Augenblicken eingeholt. „Hab sie!“, ruft er mir lächeln und ein bisschen außer Atem zu.

„Ich habe nichts verbrochen“, versichert sie Henry uns schaut ihm dabei erhobenen Hauptes in die Augen. „Also, wenn sie nicht deine Mutter ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter“, meint er zu mir, ohne auf sie einzugehen. Joline aber dreht sich bei den Worten ruckartig um und lächelt mich warmherzig an. „Ruby, du bist hier? Wie bist du darauf gekommen?“, fragt sie leise. „Amina“ antworte ich knapp. „Es tut mir leid. So viele Verluste…“, mitleidig sieht sie mich an, sie muss mich beobachtet haben, sonst wüsste sie nicht davon.

„Wo warst du?“, will Henry wissen. „Ich wollte nach meiner Tochter sehen“, bestätigte sie meinen Verdacht, sie verfolgt mein Leben, sogar während ihrer Arbeitszeit. „Sei froh, dass wir nicht dafür zuständig sind. Wir benötigen lediglich eine kleine Blutprobe von dir“, antwortet Henry und zieht die kleine Spritze hervor, die wir von Yorick mitbekommen haben. „Um zu beweisen, dass du die uneheliche Tochter des Königs bist? Ich habe von Professor O`Neills Forschungen gehört. Willst du denn unsere Tochter sein?“ Ich zuckte mit den Schultern. Sie ist jetzt die fünfte Mutter für mich. „Nicht sehr bedacht, dass ein Mädchen zu fragen, das schon vier Familien hatte und jetzt im Heim lebt“, stellte Joline dann auch selbst fest.

Das geht mir noch den ganzen Tag durch den Kopf, wer ist für mich meine Mutter?

 

Wir hatten beide Blutproben zu Yorick gebracht und drei Wochen gewartet. Regelmäßig war ich im Schloss, entweder bei Amina und Henry oder bei meiner Mutter. Wir verstehen uns gut und seit langem hatte ich wieder das Gefühl daheim zu sein, nicht nur bei Joline, sondern auch bei meiner Schwester und ihrer nicht mehr ganz so mürrischen Leibwache.

Als ich heute am Schloss ankomme, erzählt mir Henry sofort ganz aufgeregt, dass Yorick eine Konferenz mit König Maximilian, Prinzessin Amina, mir und Jolie einberufen hat. Wir gehen auf direktem Weg in den Thronsaal, wo die anderen schon auf uns warten.

„Da seid ihr ja! Ich hatte schon Angst Maximilian hält es nicht mehr aus, ist schon aufregend, oder?“, quasselt der Professor gleich darauf los. Ich nehme in der ersten Reihe Platz, genau wie die anderen und Yorick stellt sich mit seinen Notizen nach vorne. „Amina, Ruby, ihr wisst sicherlich weshalb wir hier sind, die anderen können es sich denken. Was ich hier halte, ist der biologische Beweis, dass ihr die Eltern von Ruby seid, es gibt keine Chance mehr auf Vertuschung“, offenbarte er uns.

Die Reaktion hält sich in Grenzen, immerhin hat es jeder gewusst oder zumindest vermutet. Maximilian rutscht etwas unruhig auf seinem Stuhl herum, Amina schaut triumphierend und zufrieden drein, Joline sieht auch zufrieden und gespannt aus, Henry lächelt etwas hämisch, aber sein Empfinden lässt sich, vor allem in der Öffentlichkeit, nur schlecht einschätzen. Und ich, ich bin einfach nur gespannt auf meine fünfte und gleichzeitig ursprüngliche Familie.

„Ja, ähm… würdest du denn gerne ein Zimmer hier haben?“, fragt Maximilian mich zögernd. „Neben meinem! Und den Schulunterricht will ich auch mit dir haben“, wirft Amina ein. Ich nicke grinsend und wir schauen unseren Vater erwartungsvoll an. „Wie ihr wollt“, ergibt er sich kampflos, „Willkommen zurück, Prinzessin Ruby von Dokeda!“

The Lost Child    von Jasmin Saba, Klasse7

November 1950

Wir schreiben das Jahr 1950 am Rande eines unheimlichen Waldes in Nord Amerika. Um diesen Wald ranken sich sämtliche Sagen und Märchen. Ihr denkt jetzt wohl, der klassische Anfang einer Gruselgeschichte. Aber nein, diese Geschichte ist anders. Also, am Rande eines meist vom Nebel bedeckten Tannenwaldes befand sich eine kleine Stadt, naja eigentlich mehr ein Dorf. Es machte einen netten Eindruck und doch liegt ein unheimlicher Schleier über den Häusern und Straßen. In einem dieser Häuser hatte einst ein alter Mann gelebt. Doch als er gestorben war und keine seiner Erben bereit waren das Haus zu übernehmen, wurde ein Waisenhaus daraus erbaut. In diesem Waisenhaus lebte ein kleiner Junge namens Jimmy Prescott, er kam dort hin als seine Mutter starb. Jimmy ging oft am Waldrand spazieren und redete mit “Waldgeistern“ wie er es nannte. Er wurde somit zum Außenseiter und zog sich immer weiter in den Wald zurück. Bis er eines Tages nicht mehr zurück kam. Überall suchte man nach ihm, doch ohne Erfolg. Die Jahre vergingen und die Leute gaben die Suche auf.

27. Oktober 2002

„Jeremy komm schon beeil dich!“ ein großer Junge mit braunen Haaren trottet mit einem schwarzen Koffer in Richtung des weißen Volvos in dem seine Mutter, seine große Schwester Sara und sein kleiner Bruder Charly ungeduldig auf ihn warten.“Jaaaha“ er hievt den schweren Koffer in den Kofferraum und schlägt die Klappe zu. Er bekommt gerade die Autotür zu als seine Mutter auch schon aus der Einfahrt rast. „Wieso haben wir es eigentlich so eilig?“ Seine Mutter blickt in den Rückspiegel. „Um fünf müssen wir da sein!“ Jeremy verdreht die Augen. „Das könne wir uns ersparen…“ seine Mutter seufzt hilflos und sieht wieder auf die Straße. Nach zwei Stunden Fahrt sind sie endlich angekommen. Charly stürmt sofort aus dem Auto und springt in einen großen herbstlich rote Blätter Haufen. „Wow... “ Sara und ihre Mutter steigen aus und bewundern das alte Haus. Es ist eine alte heruntergekommene Villa. Im Innenhof steht ein großer alter Springbrunnen der offensichtlich seit Jahren nicht mehr gelaufen ist. Er ist voller Laub und die weißen Marmor Ränder sind Moos bedeckt. Sara bahnt sich einen Weg durch das Laub zur alten Veranda. Auch diese scheint uralt. Die weiße Farbe splittert ab und die Bretter sind morsch. Auch ihre Mutter kommt näher. „Jungs kommt schon!“ Charly rennt die drei kleinen Treppenstufen hinauf und stolpert dabei über ein hervorstehendes Brett. Auch Jeremy steigt jetzt aus dem Auto und stellt sich emotionslos neben seine Mutter Carol. Noch bevor diese klopfen will, geht die große Tür auch schon knarrend auf. Ein etwas älterer Mann steht in der Tür. „Ah, sie müssen die Millers sein! Hier bitte.“  Ohne noch etwas zu sagen drückte der Mann Carol einen alten Schlüsselbund in die Hand und hasstet vom Grundstück. Verdutzt blickt die Familie ihm hinter her. Charly meldet sich fröhlich wie immer zu Wort. „Was für ein komischer Mann. Sehen wir uns jetzt das Haus an?“ Sara muss schmunzeln und tritt ein. „Wow, das Haus ist echt alt.“ Die anderen betreten ebenfalls den alten Flur des Hauses. „Es wird bald dunkel, ich sehe mal nach wo die Sicherungen sind.“ Carol verschwindet hinter der Kellertür. Die alte Holztreppe knarrt so gut das man jeden einzelnen ihrer Schritte hören kann. Während Sara und Charly sich im Wohnzimmer umsehen, setzt sich Jeremy schlecht gelaunt auf die Treppe, die in den oberen Stock führt. Nach einer Weile kommt ihre Mutter wieder aus dem Keller. „Tja Leute, die Leitungen sind tot. Wir müssen wohl eine Weile ohne Strom auskommen. „Jeremy springt genervt auf.“  „Toll Mom, du hast ein Geisterhaus ohne Strom gekauft.“ Er geht zum Auto, holt sein Gepäck und stampft die alte Treppe hinauf. Sara versucht ihre gestresste Mutter zu trösten. „Es ist nicht deine Schuld, er ist nur sauer wegen des Umzugs.“ Jeremy geht in das erste Zimmer, gleich neben der Treppe und stellt seinen Koffer darin ab. Es ist inzwischen dunkel geworden und er kann kaum etwas erkennen, außer ein Bett und einen Kerzenleuchter. Die Kerzen sind schon fast heruntergebrannt und das kalte Wachs, das den Stil überzieht, ist schon mit einer dicken Staubschicht bedeckt. „Oh wie toll, alles antik!“ Jeremy kramt ein kleines Feuerzeug aus seiner Jackentasche und zündet damit die fünf Kerzen an. Zumindest das was davon noch übrig ist. Gerade als er sich im Zimmer umsehen will, durchfährt in ein Gefühl des Unbehagens. Und ein eiskalter Schauer jagt ihm über den Rücken als er eine Art Atemstoß in seinem Nacken spürt. Panisch dreht er sich um. Doch hinter Jeremy ist nichts. Erst als plötzlich seine Mutter nach ihm ruft, verschwindet das Gefühl. Er stellt den Leuchter auf einer Kommode ab und geht hinunter. Dabei bemerkt er gar nicht das die Flammen plötzlich erloschen sind. „Mom, was ist denn?“  Sie lehnt an einem weißen Türrahmen und sieht ihn besorgt an. „Es gibt Essen.“ Er zuckt mit den Schultern. „Hab keinen Hunger. Und wie überhaupt wir haben keinen Strom?“  „Wir haben etwas bestellt.“ Jeremy dreht sich weg und geht die Treppe hinauf. „Hab trotzdem keinen Hunger.“ Seine Mutter schüttelt den Kopf und geht in die Küche. Er überzieht das Bett, legt sich gelangweilt in das große Holz Bett und versucht einzuschlafen, ohne Erfolg. Die ganze Nacht plagt ihn das Gefühl beobachtet zu werden. Nach dem er endlich einschlafen konnte wurde er auch gleich wieder geweckt von lauten Töpfen klappern. Verschlafen trottet er in die Küche, auch Sara scheint von dem Krach wach geworden zu sein. Sie steht in der Küche und meckert vor sich hin. „Hey manche versuchen hier zu schlafen!“ Charly starrt die beiden ungläubig an. „Ich wollte bloß die Kürbisse machen für Halloween“, Sara muss lachen und kann ihrem kleinen Bruder einfach nicht böse sein. Aber Jeremy kann es, und wie! „Und darum machst du morgens um acht so einen Krach?!“ Charly nickt eingeschüchtert, und versteckt sich hinter Sara. „Hör auf ihn so anzuschreien!“ Sara beugt sich zu Charly vor. „Wo hast du denn die Kürbisse her? Und wo ist Mom?“ Charly geht wieder an einen großen orangenen Kürbis und malt ein Gesicht darauf während er mit seinen Geschwistern spricht: „Mom hat mir die Kürbisse gegeben und gesagt ich soll sie zusammen mit euch für Halloween schmücken, dann ist sie weggefahren.“ Sara nimmt ihren kleinen Bruder auf den Arm. „Ach ja sie ist wahrscheinlich arbeiten.“ Jeremy zieht eine Augenbraue hoch. „Und gibt ihm die Kürbisse um acht Uhr morgens?“ Sara will gerade etwas sagen als die Haustür aufgeht. „Morgen Kinder“, enttäuscht geht Carol an ihnen vorbei. „Ach Schatz, die Kürbisse sind für Halloween.“ Charly lacht frech und springt von Saras Arm. Jeremy sieht sich den Kürbis an. „Tja das wars wohl mit den Kürbissen.“ Carol sieht wortlos aus dem Fenster. „Was ist los Mom?“, „Nichts ich bin nur gestresst…“ Jeremy nickt und geht zur Haustür. „Ich sehe mich draußen um, mal sehen ob es hier irgendwas gibt womit man sich die Zeit vertreiben kann.“ Seine Mutter ruft ihm hinterher: „Es ist kalt! Zieh dir eine Jacke an.“ Genervt packt er seinen langen Parka mit Fellkapuze und zieht in über sein T-Shirt. Dann schlägt er wortlos die Tür hinter sich zu und stapft durch die Laubberge vor der Veranda, in Richtung des schwarzen Tannenwaldes. Es ist noch relativ düster, als er auf einen Feldweg den Wald entlang geht, in Richtung Stadt. Jeremy streift mit den Händen durch einige Hagebuttenbüsche, und steckt einige davon, in seine Jackentasche. Als er fast an der kleinen Stadt angekommen war, fuhr ein eiskalter Wind durch seine wilden braunen Haare. Ein lautes Rascheln ertönt hinter einer dicken Tanne. Erschrocken weicht Jeremy zurück und sieht sich um. „Hallo?“, das Rascheln verklingt. Nach einigen Sekunden des Schweigens, wagt er sich näher an den großen Baum. Er hört ganz genau hin. Nichts. Es war kein Mucks zu hören. Gerade als Jeremy seinen Weg fortfahren will, verspürt er wieder den kalten Atem in seinem Nacken. Jeremy will am liebsten weglaufen, doch er wagt es nicht sich, um zu drehen. Stattdessen läuft Jeremy unüberlegt los in den Wald, und desto weiter er sich vom Weg entfernt, desto mehr beschleicht ihn das, Gefühl verfolgt zu werden. Immer tiefer läuft Jeremy planlos in Wald umher. In seiner Panik überlegt er gar nicht was er eigentlich tut, und was vor ihm liegt. Und das bekommt er zu spüren als er mit voller Wucht gegen einen dicken Ast läuft. Ein stumpfer Schmerz durchfährt Jeremy und alles vor ihm wird schwarz.

Jeremy wacht völlig durcheinander auf. Um ihn ist es stockdunkel, das einzige Geräusch, das zu hören ist, sind die zirpenden Grillen und das pfeifen des Windes, der durch die schwarzen Äste der Tannen weht. Mit starken Kopfschmerzen richtet Jeremy sich auf, und sieht sich orientierungslos um. Es macht sich Panik in ihm breit. Er ist alleine mitten im Wald und hat keinerlei Orientierung. Hektisch läuft Jeremy umher und beginnt schwer zu atmen, der Gedanke in welch einer Lage er sich befindet schnürt ihm die Luft ab. Er will erneut einfach darauf loslaufen. Aber sein Körper ist wie gelähmt. Jeremys ganzer Körper wird schwer wie Blei und seine Beine bewegen sich nicht. Erneut beschleicht ihn das Gefühl beobachtet zu werden. „Jeremy… du bist hier. Ich brauche deine Hilfe, bitte… ich will nicht mehr allein sein.“ Jeremys Herz schlägt ihm bis zum Hals. Die Stimme von einem kleinen Jungen wiederholt diese Worte immer wieder und wird dabei immer trauriger.

„Jeremy, Jeremy, …“

„Jeremy!!!“

Jeremy reist die Augen auf und wird von einem grellen Licht geblendet. „Hey Schatz, was ist passiert?“ Carol, Sara und sein kleiner Bruder stehen um ihn herum. „Wo…wo bin ich…?“, verdutzt bemerkt Jeremy als er sich umsah, dass er in einem Krankenhauszimmer ist und einen weißen Verband um den Kopf hat. „Der Förster hat dich gefunden, du warst bewusstlos.“ Jeremy erinnert sich plötzlich wieder an alles und bekommt ein unwohles Gefühl. „Ich …ich ahhhm, ich bin gegen einen Ast gelaufen.“ Besorgt sieht seine Mutter ihn an. „Warum warst du überhaupt im Wald?“ Jeremy überlegt kurz, man würde ihn für verrückt erklären, wenn er erzählen würde was passiert ist. Also schwieg er. „Ich wollte mich nur umsehen und war dabei nicht vorsichtig.“ Seine Mutter ist zwar skeptisch, fragt aber nicht weiter nach. Noch am selben Abend durfte Jeremy nach Hause aber wollte gar nicht so recht. Immer wieder wiederholten sich die Worte der Stimme und machten Jeremy immer mehr Angst. Hatte er das alles nur geträumt? Er wird aus seinen Gedanken gerissen als seine Mutter die Autotür öffnet. „Wir sind Zuhause, komm schon Jeremy steig aus.“ Zittrig steigt er aus und sieht sich ängstlich auf dem Grundstück um. Gerade als er über die Türschwelle tritt schießen die Worte des Kindes wieder wie eine plötzlich wieder gewonnene Erinnerung durch seinen Kopf und verursachen einen stechenden Schmerz. Das Bild eines Jungen kommt wieder in sein Gedächtnis. Bei der herfahrt hatte er einen uralten Suchzettel an einem schwarzen Brett hängen sehen, von einem Jungen, der vor über fünfzig Jahren verschwunden war. Auch an eine Adresse, die auf dem schlecht lesbaren halbverfallenen Blatt stand kann er sich erinnern. Es war ihre Adresse! Ihr Haus! Jeremy wird alles klar, die Stimme im Wald war kein Traum gewesen und in diesem Haus hatte der Junge gelebt. Völlig neben sich, setzt sich Jeremy an seinen Computer und beginnt zu recherchieren. Bereits nach kurzer Zeit wird er auch schon fündig. Vor Jahren war das Haus ein Waisenhaus gewesen. Neben einigen Namen wie dem der Heimleiterin tauchte auch plötzlich ein Artikel auf. 

Kind verschwunden!

In Forks wird ein Junge Namens Jimmy Prescott seit zwei Tagen vermisst. Der Junge ist sechs Jahre alt, hat blaue Augen, kurz blonde Haare und ist etwa 1,32 groß. Bitte melden sie sich bei dieser Adresse, wenn sie Hinweise oder ähnliches haben, die zur Aufklärung des Falls beitragen, und die Polizei zu dem Jungen führen könnten.

Die ganze Nacht liegt Jeremy wach und überlegt, wem er all das erzählen könnte. Seinem kleinen Bruder wohl kaum, seine Mutter würde denken das er nur Blödsinn erzählt und seine Schwester Sara wohl genauso. Aber es bringt doch ohne hin nichts. Was sollten sie schon tun? Am nächsten Morgen beschließt er noch einmal in den Wald zu gehen. Aber diesmal nicht alleine. Jeremy konnte Sara überzeugen mit ihm zugehen, auch wenn es nicht ganz einfach war. Die beiden gehen eingepackt in dicke Klamotten am Waldrand entlang. Der weiße Schleier von Morgenfrost liegt auf der dunkelgrünen Wiese und die Luft gefriert bei jedem ihrer Atemzüge. „Was willst du eigentlich so früh am morgen hier im Wald?“ Jeremy läuft zwischen den dornigen Büschen in den Wald. „Ich will mich nur… ich will mich nur umsehen.“ Sara bleibt auf dem Weg stehen und blickt ihrem Bruder erwartungsvoll nach. „Du glaubst doch nicht wirklich das ich da rein geh, oder?“ genervt atmet er auf und bleibt stehen. „Jetzt komm schon!“, Sara will gerade etwas sagen als ein kalter Windstoß ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. „Es wird immer noch kälter. Lass uns gehen!“ Jeremy hält sein Gesicht in den kühlen Wind und folgt ihm mit seinem Blick. „Da ist er wieder“, flüstert er leise. „Was, wer ist da wieder?“ Jeremy antwortet seiner Schwester nicht und rennt einfach in den Wald, dem Windhauch nach. Dieser beginnt plötzlich undeutlich zu flüstern. „Ich will nicht mehr alleine sein.“ Jeremy hat plötzlich gar keine Angst mehr und ist entschlossen der Stimme überall hin zu folgen. „Jeremy!“ Sara ruft ihm verwirrt hinterher und muss ihm schließlich folgen. „Wenn ich ihn erwische kann er was erleben!“ Ihre langen lockigen Haare wehen hinter ihr her während sie durch den Wald streift. Die großen Bäume ziehen an ihr vorbei und die kalte Luft weht ihr frontal ins Gesicht. „Jeremy!“ außer Atem bleibt sie neben ihrem Bruder stehen, dieser kniet nebeneiner Tanne und gräbt mit den Händen das Moos und die Erde um. „Was machst du denn?“, nach einigen Sekunden hält Jeremy plötzlich einen langen Gegenstand ihn in der Hand. Als er und Sara den Gegenstand genauer begutachten lässt Jeremy ihn geschockt fallen. Sara steht wortlos da. Es war ein etwa sechzehn Zentimeter langer dünner Knochen, der schon bräunlich verfärbt von der Erde war. „Der ist bestimmt von irgendeinem Tier. „Jetzt komm.“ Sara packt Jeremy am Arm und will ihn mitreißen, er reißt sich aber los und gräbt weiter. Sara lässt ihn und beobachtet ihn fragend. Nach zwei Minuten kamen immer mehr Knochen zu Vorschein, die unmöglich von einem Tier stammend konnten. Sara kramt ihr Handy hektisch aus ihrer Jackentasche. „Okay das ist merkwürdig, hör auf zu graben wer weiß, was du noch findest.“ Doch zu spät Jeremy hatte plötzlich einen ganzen Schädel in der Hand, der von einem Menschen stammte. Jeremy legte ihn erschrocken ab und wich zurück. Sara stand da wie angewurzelt. „Wir müssen sofort zurück!“, während die beiden durch den Wald hasten, ruft Sara die Polizei. Sie warten ungeduldig am Waldrand bis endlich zwei Streifenwagen ein trafen. Einer der jungen Polizisten kommt direkt auf sie zu. „Hast du uns angerufen?“, Sara nickt, steht aber immer noch neben sich. Während sich alles erzählt wird Jeremy bereits wieder von etwas anderem abgelenkt. Es scheint als könne nur er es sehen den die Polizisten schenkten dem dichten Nebel, der sich im Wald sammelt, keinerlei Beachtung. Der Nebel wird immer dichter und eine leise Stimme erklingt. „Danke“, der Nebel verschwindet wieder, und lässt Jeremy verwundert stehen. In ihm macht sich ein merkwürdiges Gefühl der Erleichterung und Freude bereit ohne das er weiß warum. Er wird aus den Gedanken gerissen. Als einer den Polizisten ihn anspricht. „Wir werden euch nach Hause fahren. Keine Sorge wir kümmern uns darum.“

Die nächste Woche war Jeremy völlig befreit von jeglichem Unbehagen bis er durch einen neuen Zeitungsartikel ins Grübeln kam. 

Leiche nach über 50 Jahren gefunden

Der Junge Jimmy Prescott ist vor 52 Jahren aus dem städtischen Waisenhaus verschwunden, und ist nie gefunden worden. Bis vor einigen Wochen wusste niemand was passiert war, bis zwei Teenager seine Überreste, im naheliegenden Walde gefunden haben. Seine Todesursache konnte nicht festgestellt werden.

Jeremy war der einzige der die Stimme gehört hatte, und sie war es am Ende die ihn zu den Knochen geführt hatte. Es, war Jimmy. Das wusste er nun ganz sicher. Und seit er gefunden wurde, hatte Jeremy ihn nie mehr gehört.